Die kleine Bierschau vom 21.02.2019

Heute mit: einem Voting zu den beliebtesten Kleinbrauereien nach Bundesländern, einem neuen alten Kölsch/Alt-Streit, neuen alten Brauereien in Deutschlands ehemals drittstärkster Brau-Stadt Karlsruhe und Förderung für Frauen, die brauen.

Die beliebtesten Mikrobrauereien in den Bundesländern: Mehr als 10.000 Menschen haben bei der Abstimmung von „falstaff“ mitgemacht und über die beliebtesten Brauereien in den einzelnen Bundesländern entschieden. Ein paar Ergebnisse überraschen. Aber das ist vermutlich auch das Ergebnis davon, wer am beten mobilisieren und pushen konnte. So sieht Schoppebräu in Berlin knapp vor BRLO und die Superfreunde tauchen gar nicht auf. In Niedersachsen ist Mashsee aus Hannover gar nicht vertreten, für Hessen lautet der Gewinner flügge aus Frankfurt, die ja erst relativ frisch am Start sind – und das bei starker Konkurrenz wie etwa Atelier der Braukünste, Braumanufaktur Steckenpferd und auch starken Hausbrauereien – die sich aber immerhin mit den Plätzen 3 (Grohe in Darmstadt) und 4 (Hohmanns in Fulda) manifestieren. In Rheinland-Pfalz hat kein Craftbrauer wie etwa Eulchen oder KUEHN KUNZ ROSEN die Nase vorn, sondern eine Hausbrauerei in Trier – mit mehr als 80%! In Nordrhein-Westfalen gewinnt mit riesigem Vorsprung Finne aus Münster, es folgen dann aber mit Schumacher in Düsseldorf und Heller in Köln relativ etablierte Hausbrauereien (Schumacher Alt ist das älteste Altbier Düsseldorfs). Einzig bei Hamburg/Schleswig-Holstein scheint das Verhältnis zu stimmen. Hier ist Kehrwieder der Gewinner, gefolgt von Sudden Death Brewing, der Wacken Brauerei, Ratherrn und Lillebräu in Kiel. Auch Bayern hat ein glaubwürdiges Ergebnis mit der Reihenfolge Hoppebräu, orca brau, Riedenburger, Wolfscraft und Tilmans (die letzten beiden hätte ich nur umgekehrt gesehen).

Was für mich hingegen völlig in Ordnung geht, ist das Ergebnis in Baden-Württemberg: CaSt knapp vor der Kraftbierwerkstatt (beide schon hier auf hopfvollgold porträtiert, nämlich CaSt hier und die Kraftbierwerkstatt hier), gefolgt von der Vogelbräu in Karlsruhe, Max und Moritz vom Bodensee und Decker Bier aus Freiburg.

 

Alt oder Kölsch – wer wächst wieder und wer hat mehr „Reinheit“ und Tradition? Darüber war vergangene Woche ein Streit in der größten Craftbier-Gruppe auf Facebook ausgebrochen. Anlass war ein Artikel des „Kölner Stadt-Anzeigers“ darüber, dass angeblich immer mehr Kölsch gefälscht wird und die Brauereien dann abgemahnt werden. Gepostet von einem offensichtlich stolzen Kölner mit dem Satz: „Und das unterscheidet uns von Düsseldorf & daher ist der Kölsch – Absatz im Gegensatz zum Alt stabil geblieben!“. Im folgenden wurde der Sinn der Schutzverordnung für Kölsch, die „Kölsch-Konvention„, diskutiert und ob die wirklich dafür verantwortlich ist, dass der Absatz stabil bleibt, weil das Produkt „rein“ bleibt. Jemand wandte ein, dass Altbier auch ohne Schutzverordnung „rein“ sei, was immer darunter zu verstehen wäre, denn nur Brauen in einem bestimmten Gebiet sei ja auch noch lange kein Qualitätsversprechen. Zudem käme es auf den Blickwinkel, die Agenda der Medien oder auch einfach nur die Wahrnehmung an, denn die Düsseldorfer Zeitung „Rheinische Post“ wiederum titelte schon eher: „Die Hausbrauereien brummen“.

Ich finde: Altbier eine Schutzverordnung zu verpassen wie dem Kölsch macht keinen Sinn, weil es ja dem Ursprung nach nicht zu unterscheiden ist vom angelsächsischen Ur-Bier, dem Ale (daher ja auch der Name). Und die älteste Altbier-Brauerei sitzt ja bekanntlich auch gar nicht in Düsseldorf, sondern bei Mönchengladbach. Die Frage wäre für mich jetzt eher, wie man „Hausbrauerei“ definiert, vor allem, wenn man eine Erfolgs-, also Absatzmessung machen möchte. Denn das Alt erlebt, übrigens oft zusammen mit Pils, ein neues Revival in Kneipen-Brauereien, die ich jetzt eher als die neuen Hausbrauereien verstehen würde. Letztes Jahr nur beim Rumschlendern allein in Derendorf innerhalb von zehn Minuten schon an zwei neuen vorbeigekommen. Und: Feindschaft muss man nicht unbedingt pflegen, siehe „Költ„. Und dann noch ein letzter Gedanke: Auch bei Craftbrauern gibt es ja einige spannende und erfolgreiche Experimente mit Altbier, siehe Kehrwieder und Uerige zusammen oder Superfreunde Berlin mit ihrem „Till Death“ (das ja auch z.B. als „Old School Ale“ verkauft wird).

Vogel Bräu in Karlsruhe. Fotos: Kerstin Fritzsche

 

Wir kehren zurück in mein Bundesland Baden-Württemberg: Karlsruhe ist ja bier-mäßig total gut aufgestellt und hat für seine Größe ziemlich viele Brauereien, also immer noch, war sogar vor über 100 Jahren mal Deutschlands drittgrößter Brauerei-Standort. Aber dessen scheint man sich jetzt zu erinnern. Denn jetzt kommt eine neue, die eigentlich eine alte ist: Ein Unternehmer aus Pforzheim reaktiviert die Sinner-Brauerei als Craftbier-Mikrobrauerei. Entstehen soll sie auf dem Gelände der Hatz-Moninger-Brauhaus GmbH im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel. Der Wettbewerb wird interessant, denn es gibt mit Pøbelbræu, Neureuter Braumanufaktur und „hopf nei“ bereits drei Craft-Brauereien. „Sinner“ dürfte einigen vielleicht noch ein Begriff sein, weil es ein Lebensmittelkonzern war. Die Brauerei Sinner saß seit circa den 1770er-Jahren, wie Experten schätzen, mit auf dem Firmengelände, neben unter anderem einer Essigfabrik, alles hervorgegangen aus dem markgräflichen Gutshof von Sybilla Augusta von Baden. Auch gebrannt wurde dort. Anfang der 1920-Jahre ging das Geschäft mit alkoholischen Getränken so gut, dass auf dem Gelände eine Flaschenfabrik installiert wurde, eine eigene Druckerei stellte die Etiketten her. Um die Zeit gab es bei Sinner einen Ausstoß von mehr als 100.000 Hektolitern. Später im Jahrhundert, 1972, ging dann aber wie so oft in Deutschland aufgrund von Konzentrationsprozessen im Brauwesen die Sinner AG in der Moninger AG auf. Das Meiste der ehemaligen Brauerei ist zerstört. Deswegen hat es schon eine gewisse bittere Ironie, wenn die Nachfolge-GmbH des Konzerns, der die Sinner-Brauerei damals gekauft und abgewickelt hatte, die Marke jetzt nach mehr als 40 Jahren wiederbelebt und anders besetzt. Sinner war damals vor allem für sein Edelpils bekannt.

Grafik: Pink Boots Society
Grafik: Pink Boots Society

Frauen und Bier: Im vergangenen Jahr hat sich BrewDog mit seiner PinkIPA-Kampagne zum Equal Pay Day im März (Start war am Internationalen Frauentag) ja etwas verhoben und ziemlichen Gegenwind erfahren müssen, obwohl der Gedanke dahinter eigentlich gut war. Es gibt aber schon seit einigen Jahren eine andere frauenfördernde Maßnahme in der Braubranche. Die Pink Boots Society (ja, ich weiß auch nicht, warum alles pink sein muss, sobald es um Frauenförderung und Gleichberechtigung geht) ist ein Zusammenschluss zur Förderung von Frauen, die brauen. Seit letztem Jahr gibt es den Collaboration Brew Day am 8. März. Durch eine Kooperation mit einem Hopfenhändler kann Hopfen zur Verfügung gestellt werden, und Frauen überall auf der Welt brauen damit am Weltfrauentag zusammen ein Bier. Das können auch Hobbybrauerinnen sein. In Deutschland nimmt Stone Berlin an der Aktion teil und lädt Frauen zum Brauen ein. Für dieses Jahr kann frau sich noch bewerben.

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