Bier und Wein, das ist fein

Christoph Kern (links) und Thorsten Schwämmle vom Kraftpaule

Bier und Wein – das ist schon längst eine gängige Kombination bei Craft. Vor allem Rheinhessen führt bei den Bier-Wein-Hybriden. Das Weinland Baden hatte auch schon früh einen, jetzt zieht Stuttgart endlich nach. Der helle „Riesling Bock“, den es limitiert seit letztem Freitag gibt, ist eine Kooperation des Kraftpaule mit Jungwinzer Christoph Kern.

Bier mit Champagnerhefe gibt es schon lange und viel. In Deutschland etwa das „Brut Ale“ von Thorsten Schoppe, das quasi die Aromen von blondem Bier, Weizen und Champagner vereint – und auch entsprechend perlt. Mikkeller experimentiert da schon länger in größerem Stil mit Wein-Maische und hat inzwischen drei verschiedene weinige Biere, beziehungsweise machen die Dänen ja auch Cidre und eigene Weine. Bezogen wird ein Teil des Traubenmosts übrigens von der Mosel.

Bier-Wein-Hybride inzwischen in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit

Vor rund vier Jahren kam in Rheinland-Pfalz das Rheingauer Craftbeer „MonkeyX“ von werk2weine aus Geisenheim auf den Markt, ein Bier gebraut mit Weinhefe vom Riesling. Abgefüllt übrigens in Sektflaschen. Danach gab es noch ein Pale Ale und ein India Pale Ale, letzteres mit Sauvignon Blanc Hefe gebraut.

"Brau.nett", "Riesling Bock" und "Pink.nett"
„Brau.nett“, „Riesling Bock“ und „Pink.nett“.

Es ist zwischen Mainz und Alzey keine Seltenheit, dass Winzer auch Bier brauen. Der örtliche Hobbybrauer-Verein hat sicherlich zur Hälfte Mitglieder, die Sproß einer traditionellen Winzer-Familie sind. Ziemlich spannend waren entsprechend die Gespräche auf der Mainzer Craft Beer Messe im letzten Jahr. Dort wurde auch das „Brau.nett“ von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz vorgestellt. Es ist aus einem Mix von 60% Bier- und 40% Wein-Maische gebraut. Natürlich auch vom Riesling. Die Kooperation der Mainzer entstand mit Kai Schätzel vom Weingut Schätzel in Nierstein. Der Sud war so erfolgreich, dass 8.000 Flaschen im Nullkommanix verkauft waren. Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Auflage des beliebten Bier-Wein-Hybrids. Und inzwischen haben die Rheinland-Pfälzer auch noch eine Variante mit Maische vom Rotwein, das „Pink.nett“.

Der helle „Riesling Bock“ in Stuttgart macht Bock auf mehr

Der "Riesling Bock"
Der „Riesling Bock“ im Glas

In Freiburg gibt es schon länger das „Wier“, ein Hybrid des Winzerkellers Breisach in Kooperation mit der Brauerei Ganter. Nach der Weinregion Baden war etwas Ähnliches aus dem Weinanbaugebiet Württemberg längst fällig. Seit einer Woche ist es nun so weit: Nachdem die Jungs vom Kraftpaule (übrigens auf dem Stuttgarter Weindorf) ihre Kooperation mit Christoph Kern vom Weingut Wilhelm Kern beschlossen und Lese sowie Produktion vollständig gelaufen waren, wurde ihr gemeinsamer heller „Riesling Bock“ vorgestellt – natürlich im Kraftpaule.

Christoph ist einer der besten Jungwinzer Deutschlands und zeichnet beim Unternehmen seiner Familie für die erfolgreiche Stuttgarter „Edition Kesselliebe“ verantwortlich. Privat braut er schon lange auch Bier. Entsprechend wurde das Bockbier mit Riesling-Maische des Cannstatter Zuckerle gebraut, zusätzlich wurde Sekthefe verwendet. Der helle Bock hat mehr Kohlensäure als üblich. Anfangs ist das Mundgefühl wie beim gängigen Bock-Bier, dann setzt sich die leichte Säure durch, im Abgang ist der „Riesling Bock“ spritzig-fruchtig und hinterlässt einen Geschmack fast wie eher Limonade. Das hat auch den Effekt, dass ohne Probleme mehr trinken möchte, weil man die fast 8% nicht merkt. Fazit: sehr gelungen!

Kooperation wird fortgesetzt

Gebraut und abgefüllt wurde bei FUX bei Leinfelden-Echterdingen – alles in Handarbeit inklusive Abfüllung und Etikettierung. Mehrere hundert Flaschen und ein paar Fässer gibt es, also: Wenn weg, dann weg. „Wir wollen nicht künstlich verknappen, aber so ist es halt im Weingeschäft: Es gibt immer nur so viel, je nachdem, wie die Lese ausfällt“, sagt Christoph Kern. „Und es ist ja auch viel spannender, wenn es dann wieder etwas Neues gibt.“ Denn bevor der „Riesling Bock“ in Stuttgart verkauft ist, steht schon fest, dass die Kooperation fortgesetzt wird, wie Thorsten Schwämmle vom Kraftpaule ergänzt: „Es ist viel Arbeit, aber auch wir finden, dass das Ergebnis großartig ist und sich die Mühe lohnt.“

Mit Maische aus roten Trauben möchte Christoph dann gerne nächstes Jahr etwas machen. Vielleicht gibt es den rosa Hybrid dann ja auch beim Weindorf in Stuttgart, vielleicht wäre auch mehr Wein- als Bier-Maische ein Argument. Das Weindorf hat dieses Jahr nämlich den Verkauf untersagt. Ganz unten im Kessel ist die Message offenbar noch nicht angekommen: Bier und Wein, das ist fein!

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Comments

Eine Antwort zu „Bier und Wein, das ist fein“

  1. […] Zudem gibt es, so lange der Vorrat reicht, die Sonderedition von Kraftpaule und Kesselliebe als Dreier-Set zu kaufen: eine Flasche helles Bockbier, eine Flasche Riesling und eine Flasche vom hellen Riesling-Bock, alles im speziellen Design der Ausstellung. Mehr zum Thema Bier-Wein-Hybride gibt es hier im Blog. […]

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