12 Seidla sollen’s sein – wer das schafft, der ist gut gerüstet für das kommende Jahr. In Oberfranken fand gestern überall wieder das traditionelle Stärk‘-Antrinken statt – immer am Dreikönigstag. Eigentlich war das Ausüben des Brauches wieder rückläufig, aber nach den vielen Veranstaltungen letztes Jahr zum Auftakt des Jubiäumsjahres zu 500 Jahre Reinheitsgebot haben wohl wieder mehr Menschen Gefallen an der Pflege des Brauchtums gefunden.
Woher kommt das Brauchtum?
Der Verein zur Förderung der fränkischen Braukultur erklärt’s so: „Der Brauch findet am Vorabend des 6. Januar statt, der bis 1691 den Beginn des neuen Jahres markierte. Früher feierte man an diesem Tag das Neujahresfest, deshalb heißt es in Franken heute noch Großneujahr, Hochneujahr oder „Öberschder“. Da der Franke an sich in seinen Traditionen verwurzelt ist und er gerne Bier trinkt, wappnet er sich gegen alles Unheil des neuen Jahres, indem man sich in geselliger Runde Kraft und Gesundheit, im Volksmund „Stärk“, antrinkt.
Damit die „Stärke“ auch ein ganzes Jahr vorhält, sollte er für jeden Monat des Jahres ein Seidla vom Bock trinken. Diese Gepflogenheit ist aus dem vorchristlichen Brauchtum der zwölf Rauhnächte entstanden, der Zeit „zwischen den Jahren“, in der Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Durch Lärm, Ausräuchern und mit „Stärk“ sollten diese vertrieben werden.
Verbreitet ist der Brauch vor allem in Oberfranken und den angrenzenden Regionen. Stärk’ oder „Stärke“ steht dabei für Kraft und Gesundheit.“
Nur Bockbier?
12 Seidla schafft jedoch kaum jemand. Denn eigentlich soll zum Stärke-Antrinken Bockbier hergenommen werden bei diesem fränkischen Brauch. Aber das haut freilich ganz schön rein. Man darf aber auch anderes Bier nehmen, so Michael König, Bier-Sommelier bei Maisel & Friends in Bayreuth. „Ich denke sogar, dass früher einfach das Bier getrunken wurde, das gerade verfügbar war. Bier war allgegenwärtig und gehörte zur täglichen Ernährung, da es frei von Keimen war und nicht so verschmutzt wie Wasser. Auch war Bier zu dieser Zeit nicht so stark wie heute. Die Tradition, sich am 6. Januar mit Bockbier Stärke anzutrinken, kam erst später hinzu.
Wer sich besonders viel Stärke antrinken möchte, der kann das gerne mit Bockbier tun, aber Vorsicht! Ein Bockbier hat normalerweise einen Alkoholgehalt von über sechs Prozent und selbst mit zwölf „normalen“ Bieren, wie zum Beispiel einem Zwick‘l, wird der ein oder andere Trinker an seine Grenzen kommen.“ Und macht Bier tatsächlich stark?, fragte der Nordbayerische Kurier König. „Gerade Bockbier gilt als gehaltvoll, es schmeckt würzig, kräftig und süffig. Aus diesem Grund haben die Mönche während der Fastenzeit nahrhaftes Bockbier zu sich genommen, denn „Flüssiges bricht Fasten nicht.“ Insofern machte es zumindest die Mönche stark.
Zu den Ansichten früher zitiere ich die medizinische Universität von Salerno:
Bier macht starck,
mehret Fleisch und Blut,
Den Stuhlgang auch befördern tut.
Feucht an den Leib,
kühlt den Harm,
Bläst mit Winden an den Darm.“
Bier trinken – eigentlich früher ein Frauen-Ding
Und, habt ihr’s gewusst? Früher wäre das Stärke-Antrinken wohl eher ein Frauen-Bierkränzchen gewesen. Denn Bier war zu Kaiser Wilhelms Zeiten Frauen-Sache. „Statt Kaffee- gab es Bier-Kränzchen nachmittags“, sagt der Bamberger Bier-Sommelier Markus Raupach. Erst später wurde Bier durch die Arbeiter und Flaschen mit Bügel-Verschluss zum Männer-Getränk. „Streng genommen haben wir da eine Renaissance“, so Raupach: „Vom Genussmittel, das man zu Hause genießt, zurück dahin, weil heutzutage wieder bewusster getrunken wird.“ Also dann: Rüstet euch für das neue Jahr, aber nach eurem Tempo und Geschmack! Prost!